Soziale Flanke der CDU

Michael Weber sitzt seit 1994 für die Christdemokraten im Stadtrat. Jetzt will er in den Bundestag gewählt werden

Donnerstag, 23. Juni 2016

Er ist das CDU-Urgestein unter den Bewerbern für die Bundestagskandidatur. Michael Weber ist 57 Jahre, nun will er auf Bundesebene das verändern, was er in der Kommunalpolitik nicht steuern kann. Das betrifft vor allem die großen Linien der Integration von Flüchtlingen und die Gesetzeskompetenz zur Entbürokratisierung.

Weber ist so eine Art soziale Flanke der Bielefelder CDU, er ist Mitglied im Integrationsrat der Stadt und engagiert sich als Vorstandsmitglied im Verein BAJ für die Flüchtlingshilfe in Schildesche und für die berufliche Qualifizierung Jugendlicher und Erwachsener. Außerdem ist er Mitglied in der IG Metall und Kreisvorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Er selbst sagt über sich: "Das ich nicht gerade der wirtschaftsliberale Typ bin, dürften alle wissen."

"Ich bin gläubig, aber nicht fromm."

Sein Thema ist stattdessen die Arbeitspolitik - für ihn ist sie die entscheidende Verbindung zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Weber ist Mitglied im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit. Gerade in der Ausbildungsplatzsituation sieht er in Bielefeld großen Nachholbedarf. "Schauen Sie nach Paderborn oder Gütersloh. Da läuft das besser." In der Nachbarstadt Gütersloh kämen auf 100 Ausbildungsuchende 118 Arbeitsplätze. In Bielefeld hingegen nur 77. Das zeige ein deutliches Nebeneinander von Ungleichem.

Um das zu ändern, müsse in Bielefeld noch viel geschehen, zwar gebe es den Ausbildungsgipfel und die Ausbildungsplatzbörse. "Aber das reicht noch lange nicht", sagt Weber, der seit 1994 für die CDU im Stadtrat sitzt. Der Weg müsse frei gemacht werden für die Ansiedlung neuer Unternehmen und Start-ups. Dazu gehöre die Anbindung der Stadtbahn, zum Beispiel die Verlängerung der Linie 4 zur Dürerstraße.

Als Bezirksvertreter für Schildesche setzt der Vater zweier Töchter (22 und 24) Akzente im Arbeitskreis Flüchtlingshilfe. Stolz ist der Sudbracker auf die ökumenische Ausrichtung der Gruppe auf das Erreichte: Sprach AG und Café, Fahrradunterricht, Betreuung und Lebenshilfe werden geboten. "Mich berührt zu sehen, dass die Menschen, die einmal angefangen haben sich zu engagieren, auch dabeibleiben." Die Bielefelder Stadtgesellschaft sei das gesamte Flüchtlingsthema vorbildlich angegangen.

Die Kirche spielt in Webers Leben eine wichtige Rolle. "Ich würde mich als gläubigen Menschen bezeichnen. Fromm bin ich aber nicht", sagt er. Die Flüchtlingsarbeit sei einfach eine erfüllende Tätigkeit für ihn. "Es gibt aber keinen missionierenden Zug in mir."

Viele politische Stationen und Ämter ließen sich noch aufzählen. Weber ist seit 1975 Mitglied der CDU. Seither engagiert er sich. "Das geht nur, weil ich einen Arbeitgeber habe, der mir das ermöglicht." Der gelernte Industriekaufmann ist Produktmanager bei Miele in Gütersloh.

Zuständig ist er für die Bereiche Waschen und Trocknen. Da kennt er sich aus, Weber erzählt stolz von den neuesten Innovationen des Dampfbügelns und beteuert, im eigenen Heim selbst regelmäßig Hand an seinen Hemden anzulegen.

Wenn er gerade nicht bügelt, nicht arbeiten muss oder politisch aktiv ist - dann singt er. Weber ist Mitglied im Projektchor der Stiftskirchengemeinde Schildesche. Für sein Hobby ist der Mittwochabend fest gebucht - falls keine Aufsichtsratsitzung einer städtischen Beteiligung oder andere Verpflichtungen dazwischenkommen. Doch wenn es klappt, dann richtig: "Wenn ich erst einmal lossinge, bin ich zwei Stunden in einer anderen Welt."

Quelle: Neue Westfälische, 23.06.2016